Interviews mit Sidepreneuren Sidepreneur-Podcast

Learnings eines Ex-Sidepreneurs – Interview mit Jonas Gehring

Interview mit Ex Sidepreneur Jonas Gehring

Hier kannst du dir das Interview von Juliane und Jonas anhören:

Wer lieber lesen statt hören möchte, hier entlang:

Juliane:

Hallo und herzlich Willkommen zu einer neuen Episode des Sidepreneur Podcasts. Heute bin ich Juliane wieder am Start und ich habe einen spannenden Interviewpartner zu Gast. Jonas Gehring ist Softwareentwickler und wir haben uns im vergangenen Jahr auf einem Meetup für Entrepreneure in Frankfurt am Main kennen gelernt. Neben anderen Themen sind wir auch darüber ins Gespräch gekommen, wie er unternehmerisch gestartet ist und da stellte sich heraus, dass er damals auch nebenberuflich neben seiner Anstellung gestartet ist. Das hielt ich für sehr spannend, denn es muss damals ja Gründe gegeben haben, erst einmal nebenberuflich mit dem Business zu starten. Heute ist Jonas Fulltime Entrepreneur und möchte uns in dieser Episode an seinen Learnings teilhaben lassen. Herzlich Willkomen Jonas. Stelle dich doch am besten einmal unseren Zuhörern vor.

Jonas:

Aktuell würde ich mich als selbständiger Softwareentwickler bezeichnen. Meine nebenberufliche Selbständigkeit hat recht früh angefangen. Ich habe damals eine Ausbildung zum Fachinformatiker gemacht und mein Wunsch war es eigentlich schon immer, einmal etwas Eigenes aufzubauen. Eigene Verantwortung haben und selbst entscheiden zu können, was man wann wo macht. So habe ich dann angefangen Apps zu entwickeln. Das war in der Zeit als die Smartphones noch ganz neu auf dem Markt waren. Mit 18 habe ich dann die Apps entwickelt neben der Ausbildung. Mit 19 habe ich dann im Store Android Market die Apps verkauft, habe dann auch eine uG gegründet, um die rechtlichen Rahmenbedingungen zu haben und habe also als Azubi quasi nebenberuflich die App verkauft und habe in der Hochphase auch deutlich mehr durch meine Apps als durch meine Ausbildung verdient. Das war jetzt zwar nicht so schwer, aber es war eine ganz interessante Erfahrung.

Juliane:

Du hast ja eben erwähnt, dass du dafür eine UG gegründet hast. Ich habe vor kurzem gehört, dass man, wenn man Apps entwickelt nur bestimmte Gesellschaftsformen wählen kann, um sich rechtlich abzusichern. Stimmt das?

Jonas:

Ich kann jetzt nur von damals sprechen, da hat man auf alle Fälle eine Eintragung im Handelregister benötigt. Das ist ja bei einer uG automatisch mit dabei. Aber ich wage zu behaupten, dass es nicht unbedingt notwendig ist eine uG oder eine andere Kapitalgesellschaft zu haben, um heutzutage Apps zu verkaufen. Es wird wahrscheinlich auch als Einzelunternehmer gehen. Als Einzelunternehmer wird’s rein rechtlich bestimmt gehen. Was nicht geht, ist, wenn man es als Freiberufler macht, weil Apps verkaufen keine freiberufliche Tätigkeit ist.

Juliane:

Ich hatte irgendwie noch gehört, dass es da aus Haftungsgründen bestimmte Vorschriften gibt. Aber da sollte man sich auf alle Fälle von einem Steuerberater beraten lassen, wenn man etwas in diese Richtung plant.

Du darfst ja dann also ziemlich erfolgreich mit deinen Apps…

Von ganz oben wieder nach ganz unten

Jonas:

… Erfolgreich… ja es war teilweise erfolgreich, so dass ich mit den Apps vor allen Dingen mit einer App wirklich viel verkauft habe. Das waren ein paar hundert Euro am Tag. Was für mich damals natürlich sehr viel Geld war. Und es war die Erfahrung, dass man passiv … also ich saß da in der Schule und habe immer schön auf mein Handy geguckt und habe gesehen, wie das Geld halt reingekommen ist. Das war eine völlig neue Erfahrung für mich, dass man „passiv“ Geld verdienen konnte. Auf der anderen Seite machte ich die Erfahrung wie schnell wieder alles vorbei sein kann. Nach ein paar Wochen kam dann halt die Konkurrenz, dann gab es die gleichen Apps auf einmal kostenlos mit Werbung drin. Dann ist der Umsatz quasi vom einen auf den anderen Tag um 90 Prozent eingebrochen und man musste wieder von vorne anfangen. Das war eine sehr krasse Erfahrung zu sehen wie es krass hoch ging aber auch ganz schnell wieder vorbei war. Das war für mich nach einer Zeit dann auch der Entschluss, dass ich mich von dem Gedanken verabschiede, dass man eine coole App entwickelt und dadurch reich wird. Sondern, dass man eher etwas aufbaut mit mehr Strategie und Kundenbindung und Marketing, damit man etwas aufbaut, dass einen auch nachhaltig ernährt.

Juliane: Heute machst du das also so?

Jonas: Heute bin ich auf dem Weg dorthin. Auf dem sehr langen Weg.

Juliane: Wie sieht dein Geschäft/ dein Geschäftsmodell heute also aus?

Jonas:

Also es war so, dass ich nach einer Zeit die uG wieder liquidiert habe, was auch nicht so einfach und so schnell läuft. Das war auch so ein Learning für mich: Entweder mache ich das Kleinstmögliche also z.B. als Einzelunternehmer oder man geht den großen Schritt zu einer richtigen GmbH und hat dann eben entsprechend auch nen Steuerberater mit dabei.

Nach der Ausbildung erst einmal in die Festanstellung

Nach der Ausbildung bin ich dann ganz normal ins Berufsleben gestartet und habe immer versucht parallel irgendwelche anderen Projekte zu verfolgen. Nichts hat allerdings so richtig gezündet. Das hat sich dann ein paar Jahre gezogen und irgendwann dachte ich dann, dass ich nicht ewig lang vollzeit angestellt arbeiten kann und nebenbei noch Projekte mache, die nicht richtig durchstarten.

Ich habe mir dann einen Zeitpunkt festgelegt an dem ich kündigen werde und bis dahin (das war so ungeführ ein Jahr bis anderthalb Jahre) und in der Zeit versuche ich halt parallel nebenberuflich Geld zu verdienen mit dem einfachsten was ich kann und das ist für mich Softwareentwicklung auf Projektbasis. Also kein eigenes Projekt aufbauen, sondern als Dienstleistung auf Stunden- oder Projektbasis für andere zu arbeiten.

Das habe ich dann parallel zu meinem Beruf gemacht. Das hat so mehr oder weniger funktioniert. Ich habe dann immer fleißig gespart und habe mir einen relativ großen Geldpuffer aufgebaut und dann kam halt irgendwann auch die Zeit, wo ich mir vorgenommen hatte zu kündigen und habe dann gekündigt. Ich hatte zwar immer noch nicht recht das Licht im Dunkel gesehen, allerdings musste die Entscheidung irgendwann gefällt werden.

Du kannst nicht unendlich lange das parallel durchziehen

Man hat halt eine gewisse Energie, die dann irgendwann aufgebraucht ist.

Juliane: Du behauptest also, dass man nicht ein Leben lang Sidepreneur sein kann? Es bedeutet also dass man irgendwann den Schritt in die Vollzeit Selbständigkeit gehen sollte oder das Side Business auf ein Minimum zu reduzieren?

Jonas: Ich denke, dass man das so unterschreiben kann. Es gibt vielleicht Ausnahmen z.B. wenn man einen Beruf hat, der mit seiner nebenberuflichen Selbständigkeit nichts zu tun hat und es wirklich für dich ein Ausgleich ist. Aber für mich war es wirklich Arbeit von 8 bis 9 Stunden als Angestellter und morgens oder abends oder sowohl als auch und das Aufgabengebiet war im Prinzip das Gleiche. Das kann man dann einfach nicht ewig lang durchhalten.

Juliane: Wie lange hast du praktisch so gearbeitet?

Jonas: 1,5 Jahre habe ich praktisch parallel noch auf Projektbasis gearbeitet. Aber seit ich 18 war, habe ich immer irgendwie parallel irgendwelche Projekte vorangetrieben.

Juliane: Jetzt vor kurzem war dann der Schritt eine GmbH zu gründen, oder?

Jonas: Ja genau … da möchte ich noch mal auf den Geldpuffer zu sprechen kommen. Ich hatte mir vorgenommen einen Geldpuffer von 2 Jahren zu haben, was sicherlich ziemlich hoch angesetzt war. Mein Ziel war es, dass ich 2 Jahre lang mit meinen Kosten überleben kann, ohne dass ich irgendetwas verdiene und dazu zählt natürlich auch die Krankenkasse und alles drumherum.

Wenn du einen ausreichend großen Geldpuffer hast, kündige und starte Vollzeit durch

Ich habe dann gekündigt, ich hatte nicht ganz das Ziel erreicht, aber ich hatte genug Puffer. Ich habe dann Freelancing Tätigkeiten übernommen. Auf Projektbasis.
Vor kurzem bin ich dann zu dem Entschluss gekommen, einfach auch um wachsen zu können, dass ich eine GmbH gründe. Im Prinzip geht es um’s Wachstum. Man tritt anders nach außen auf. Man kann sich Angestellte suchen und dann einfach auf’s nächste Level kommen.

Juliane: Ist deine Projektarbeit jetzt komplett vorbei und arbeitest du nur noch in deiner GmbH? Wie ist das grad?

Jonas: Aktuell ist es eher eine Übergangsphase. Ich kümmere mich um das Unternehmerische, um die Strategie, um die Akquise, die Mitarbeitersuche … aber ich arbeite auch noch auf Projektbasis, was ich aber immer weiter reduzieren möchte, weil ich natürlich nicht die Zeit habe, alles gleichzeitig zu machen.

Juliane: Im Grunde genommen kommst du dann ja wieder in ein Hamsterrad und hast zwei Businesses parallel.

Jonas: Ja, es ist alles eine Frage der Zeit und wo man seinen Fokus setzt, aber man benötigt auch einen gewissen Cashflow, um auch arbeiten zu können und deshalb ist es auch immer recht profitabel Projektarbeit zu machen.

Das wird sicherlich noch einige Zeit parallel laufen. Mal schauen, vielleicht 2 Jahre oder auch länger. Die Projektarbeit macht mir ja schon auch Spaß. Es ist ja nicht so, dass ich da keine Freude dran hab. Aber das Unternehmerische motiviert und begeistert mich viel mehr, so dass ich da auch einfach mehr investieren möchte.

Juliane: Wie bildest du dich fort? Man bringt ja nicht unbedingt ein Unternehmermindset mit, wenn man jahrelang angestellt war. Welche Quellen nutzt du? Wer inspiriert dich?

Jonas: Das ist ein guter Punkt, den du ansprichst. Ich habe ja sehr früh angefangen immer was nebenbei zu machen, aber erst mit 26 den Schritt in die Vollzeitselbständigkeit gewagt. Ich habe einfach den Fehler gemacht, nicht nach außen zu schauen. Ich hatte meine Ideen und hab im stillen Kämmerlein daran gearbeitet. Als ich dann in die Stadt gezogen bin, gab es da Meetups und ich kam unter Leute. Youtube lief richtig an.

Meine Weiterbildung war dann, dass ich auf die Meetups gegangen bin und mich dort ausgetauscht hab. Auf Youtube gab es auch immer mehr Videos über Unternehmermindset. Langsam kann man es ja nicht mehr hören, aber für den Anfang war es eine gute Sache. Ich habe auch verschiedene Bücher gelesen.

Ich kann z.B. besonders das Buch Denke nach und werde Reich„* von Napoleon Hill empfehlen!

 

Das war dann die Basis mich erst einmal damit zu beschäftigen.

Stetige Weiterbildung ist wichtig. Nutze die Zeit in der Anstellung, um dich fortzubilden

Da ich ja in meiner Anstellung auf dem gleichen Gebiet unterwegs war, hatte ich hier die Möglichkeit mit den neuen Technologien, Frameworks usw. zu beschäftigen. Da hatte ich auch ein Weiterbildungsbudget und bin dann auch verschiedene Konferenzen gegangen. Das ist, glaube ich, auch eine wichtige Botschaft.

Nutzt die Zeit am Angestelltenarbeitsplatz für eure Fortbildung, denn die Zeit müsst ihr eh anwesend sein. Nutzt sie so gut es geht für euch und eure persönliche Weiterbildung.

Ich habe mir dann auch ganz gezielt Projekte ausgesucht, die mich besonders interessieren. Dieses Know How, was ich mir da aufgebaut habe, kann ich jetzt natürlich für mein Business nutzen. Auch die Referenzen also für die Kunden für die ich Projekte gemacht habe, konnte ich natürlich gut nutzen, um mich in meiner Selbständigkeit besser zu verkaufen.
Für mich gab es, und das ist ja bei vielen so, eine sehr starke Trennung zum Angestelltenjob und Selbständigkeit. Dabei gibt es da eigentlich keinen so großen Unterschied. Als Angestellter bringst du ja einen gewissen Wert ins Unternehmen sonst würden sie dich ja nicht bezahlen. Als Selbständiger machst du genau das Gleiche nur dass du deutlich kürzer für das Unternehmen arbeitest mit einem viel einen höheren Stundensatz.

Wenn du als Angestellter etwas machst, was dir gefällt und wo du dich auch weiterbilden kannst, dann nutze die Zeit als Angestellter, um dich vorzubereiten, die selbständig zu machen im gleichen oder ähnlichen Bereich.

Der Unternehmer ist für mich wie eine Evolutionsstufe nach dem Selbständigen, weil du dann auf einer anderen Ebene bist und führst die Leute. Mehr so eine Art Leadership. Machst die Akquise. Aber du brauchst ja eine gewisse Basis am Anfang, um ein Unternehmern aufbauen zu können.

Juliane: Das ist noch einmal ein guter Punkt. Auch die Darstellung, was heißt es selbständig und was heißt es unternehmerisch tätig zu sein. Das hast du eben auch ziemlich gut mit deiner Antwort herausgearbeitet.

Noch einmal zu deiner Anmerkung, dass du am Anfang für dich im stillen Kämmerlein gearbeitet hast. Dein Tipp an die Sidepreneure da draußen ist also rauszugehen und sich auszutauschen und zu vernetzen?

Jonas: Ja absolut. Vor allem sich auszutauschen und den Mut zu haben, die Leute zu fragen, was sie von der Idee halten. Generell bin ich auch ein großer Freund von so einem Lean-Ansatz. Dass du also so früh wie möglich auf Kundensuche bist. Im Zweifelsfall sogar erst den Kunden hast, bevor du das Produkt entwickelst und dann eher mit dem Kunden zusammen das Produkt zur Reife bringst. So reduzierst du einfach das Risiko. Weil ansonsten arbeitest du eine lange Zeit in deinem Keller und es macht vielleicht auch Spaß, aber bis das Teil soweit fertig ist, merkst du dass es gar nicht funktioniert.

Ich hatte damals die Idee Taxifahrten zu digitalisieren. Hätte ich hier viel früher mit den richtigen Leuten gesprochen, hätte ich viel früher gewusst, dass es so nicht geht, wie ich es mir vorstelle. Oder ich wäre direkt zu einem Taxiunternehmen gegangen und hätte denen meine Story erzählt. Wenn der halbwegs unternehmerisch gedacht hätte, dann hätte er mir gesagt, dass wir es so nicht machen können, aber dafür so und so. Dann hätte ich damals 2007 oder wann das war, vielleicht diese größte Taxi App entwickelt, die vor ein paar Jahren für viele Millionen verkauft wurde.

Juliane: Hätte, hätte. Das wäre was gewesen.

Noch ein anderer Punkt. Du bist ja auch im Social Web unterwegs. Welches sind deine Kanäle?

Jonas: Ich habe vor ca. 2 Jahren einen You Tube Kanal gestartet, auf dem ich über die Softwareentwicklung spreche. Hier erzähle ich über alles, was mich begeistert also Appentwicklung oder auch Themen wie Alexa. Der Kanal heißt Apps that matter. Das ist mein Hauptkanal. Ansonsten habe ich eine gleichnamige Facebook Seite.

Juliane: Vielen Dank für das Interview und deine Einblicke in deinen Start als Sidepreneur und den Übergang zum Fulltime Entrepreneur. Was ist zum Abschluss dein ultimativer Sidepreneur-Tipp.

Jonas: Der Tipp, den ich vielleicht gebraucht hätte, wäre gewesen, zu wissen, dass angestellt und selbständig sein, gar nicht so groß im Unterschied ist und zweitens, dass man sich definitiv einen Zeitpunkt setzen sollte, wann man das Side Business auf das nächste Level bringt und seinen Angestelltenjob kündigt. Einfach den nächsten Schritt gehen und versuchen. Wir sind hier in Deutschland, da kann uns nicht so viel passieren.

Juliane: Vielen Dank Jonas. Viel Erfolg weiterhin.

Über den Autor

Juliane Benad

Juliane Benad

Juliane Benad ist Social Media Beraterin für KMU und Solopreneure. Als internationale Betriebswirtin mit Schwerpunkt Marketing war sie viele Jahre im Marketing eines Frankfurter Fachverlages tätig und hat hier maßgeblich die Social Media-Kanäle aufgebaut. Außerdem ist sie Chefredakteurin des Online-Magazins digital-media-manager.com.

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