Gastbeiträge

Gründen in ländlichen Gebieten: Diese 7 Argumente sprechen dafür

In seinem Gastbeitrag spricht Michael Seibold von Hubtechnik24.de über Gründe, ein Unternehmen jenseits der Start-up-Zentren wie Berlin oder München aufzubauen. Welche Vorteile bietet die Provinz gegenüber Großstädten? Der Gründer von Hubtechnik24.de gibt den Sidepreneur-Leser*innen einen Überblick.

Seit 2014 sind wir im bayrischen Bockhorn ansässig. Mit unseren Büros und dem Lager sitzen wir praktisch in einem Vorort von München. Europaweit verkaufen wir über www.hubtechnik24.de Hubwagen sowie Lager- und Werkstatttechnik. Aktuell besteht unser Team aus 23 Leuten. Zu Beginn fiel die Wahl auf diese Region, da ich in Neuching aufgewachsen bin. Es war also keine rationale, bewusste Entscheidung, ein Unternehmen auf dem Land zu gründen. Im Nachhinein stellte sich der Standort allerdings als Glücksfall heraus. Gründen in der Provinz? Meine 7 Argumente dafür:

Argument 1: Günstigere Mietpreise

Derzeit kostet uns der Quadratmeter rund sechs Euro. In Großstädten fallen die Mieten wesentlich teurer aus als in den ländlichen Gebieten. Mit sogar nur 3 Euro pro Quadratmeter locken andere Regionen. In Großstädten wie Hamburg oder München würde sich eine Fabrikhalle oder ein großes Lager wegen der gewaltigen Mietkosten nicht rechnen. Auf dem Land sind passende Räumlichkeiten außerdem leichter zu finden. So bekommen Gründer in der Provinz ausreichend Platz, um wachsen zu können.

Argument 2: Geringere Ausgaben für Mitarbeiter

Zwischen Großstädten und den ländlichen Gebieten besteht ein Lohngefälle, von dem junge Gründer profitieren können. Dank günstigerer Mieten und niedrigerer Lebenshaltungskosten haben Mitarbeiter in den ländlichen Regionen in der Regel trotzdem eine höhere Kaufkraft. Ein weiterer Vorteil bietet neben den geringeren Personalkosten der Gewerbesteuersatz. Dieser ist in der Provinz rund ein Drittel günstiger.

Argument 3: Ländliche Gemeinschaft und kurze Wege

In ländlichen Gebieten lassen sich Ämter, Banken, Partner-Unternehmen oder Notare schneller erreichen als in der Großstadt. Parkplätze gibt es meist zu genüge. Das spart viel Zeit und die räumliche Nähe ermöglicht enorm den Aufbau einer lokalen Gemeinschaft. Geraden jungen Gründern, wie uns, fällt es auf dem Land leichter, Kooperationen mit anderen Unternehmen einzugehen, lokale Politiker zu kontaktieren und letztlich aus der Masse herauszustechen. Beste Voraussetzungen für eine langfristige Zusammenarbeit bietet das familiäre Umfeld. Hier fällt es leichter, mit Geschäftspartnern und Kunden in den direkten Kontakt zu treten. In einigen ländlichen Regionen werden Jungunternehmen mit gemeinsamen Projekten gefördert. Sogenannte Gründerstammtische unterstützen nicht nur junge Gründer, sondern auch den Wirtschaftsstandort selbst.

Argument 4: Lukrative regionale Fördermittel

Je nach Region sind für junge Unternehmen, Neugründungen sowie Technologieunternehmen grundsätzlich verschiedene Fördermitteltöpfe verfügbar. Kohäsionsfonds (KF), Europäische Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und Europäische Sozialfonds (ESF) stehen Jungunternehmern in strukturschwachen Gebieten neben weiteren Unterstützungen von Bund und Ländern zur Verfügung. Gründer, die in ländlichen Regionen mit schwacher Wirtschaft Arbeitsplätze schaffen, profitieren so von den Fördermitteln des Bundeslandes. Einige Bundesländer bieten kostenfreie Betriebsberatungen. In Gebieten mit schwacher Wirtschaftsstruktur können Jungunternehmer zudem Unterstützungen von der GRW-Förderung (Gemeinschaftsaufgabe “Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur”) anfordern. Die neuen Bundesländer Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen sowie einzelne Gebiete in den alten Bundesländern wie Saarland, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz fallen unter die GRW.

Argument 5: Guter Zusammenhalt und loyale Mitarbeiter

Ortsansässige Unternehmen genießen in der Provinz einen hohen Stellenwert als regionale Arbeitgeber. Das Team aus Mitarbeitern stammt häufig aus der näheren Umgebung. Arbeitnehmer schätzen die Tatsache, dass sie in der Nähe arbeiten können. So steigen die Leistungsbereitschaft und Motivation der Beschäftigten. Meine Erfahrung zeigt: Gerade junge Gründer können sich auf die Loyalität ihrer Mitarbeiter verlassen. Diese kennen die örtlichen Gegebenheiten und sind nicht selten in der Region verwurzelt. Der regionale Hintergrund der Beschäftigten erleichtert den Kundenkontakt vor Ort und stärkt den Teamzusammenhalt. Jungunternehmer erwartet ein familiäres Umfeld – schließlich arbeiten sie mit Menschen zusammen, die sich bereits persönlich kennen. „Familiäres Umfeld“ ist in Stellenausschreibungen dann keine bloße Floskel mehr. Auch bei uns arbeiten Geschwister sowie Eltern und Kinder zusammen.

Argument 6: Schneller im Mittelpunkt regionaler Medien

In den ländlichen Gebieten ist Start-ups die Aufmerksamkeit der regionalen Medien sicher. Konkurrenten der medialen Aufmerksamkeit gibt es kaum. Die regionalen Medien sind über Erfolgsstorys oder lokale Gründungsgeschichten sogar dankbar. Unternehmensgründungen werden in der Provinz auch wesentlich bewusster von der Öffentlichkeit wahrgenommen als in den Großstädten. In den Hotspots der Gründerszene wie Berlin, Hamburg oder München sind Neugründungen schließlich keine Seltenheit. Uns halfen Interviews mit regionalen Sender oder Berichten in der Lokalpresse dabei, neue Mitarbeiter und Kunden innerhalb der Region zu gewinnen.

Argument 7: Regionale Fachhochschulen

Nachteile beim Gründen in ländlichen Regionen erwarten Jungunternehmer natürlich auch. Die Rekrutierung von Mitarbeitern ist in einigen Gebieten nicht leicht. Gute Leute für Online-Marketing, Produktmanager oder geeignete Entwickler sind in der Provinz häufig sehr mühsam zu finden. Wir konnten von der unmittelbaren Nähe zu einer Fachhochschule profitieren. Junge Menschen sehen in neuen Unternehmen in der Region einen attraktiven Arbeitgeber für ihren Berufseinstieg. Durch die Fachhochschule in Ismaning bekamen wir zuletzt einige gute Werkstudenten.

Über den Autor

Michael Seibold

Michael Seibold

Ich bin Michael Seibold, 28 Jahre alt und nicht nur Gründer, sondern auch Geschäftsführer der Trading EU GmbH. Das Unternehmen hat seinen Sitz in Bockhorn bei München. Mein 23-köpfiges Team vertreibt europaweit über Hubtechnik24.de Hubwagen sowie Lager- und Transporttechnik an kleine und mittlere Unternehmen.

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