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Onlinekurse: Interview mit Marit Alke

Höre in unserem neuen Podcast-Interview, was du von Onlinekursen erwarten kannst und wie du dabei vorgehen solltest:

Dajana: Heute habe ich einen ganz besonderen Gast im Interview: Ich freue mich, dass Marit Alke heute mit uns über Podcasts sprechen wird. Ich habe Sie erst vor einem Dreivierteljahr entdeckt, weil mir eine Freundin ihren eigenen Podcast Online-Business-Lounge empfohlen hat. Ich war sofort von Marit begeistert, weil sie unglaublich viel Wissen in ihren Podcast gesteckt hat – und das ganz kostenfrei! Ich habe sie heute eingeladen, weil sehr viele vom schnellen Geld mit Onlinekursen träumen und Marit da einen ganz anderen Ansatz hat. Doch stell dich doch mal kurz selbst vor, Marit.

Marit: Vielen Dank für die Einladung zu Sidepreneur. Du hast mich ja schon ganz schön vorgestellt. Ich hab tatsächlich einen nachhaltigen wertigen Ansatz mit Onlinekursen. Ich habe mein Business 2013 mit meinem Blog „Coachingprodukte entwickeln“ gestartet, weil ich die bestehenden Onlinekurse auch eher als schwierig gesehen habe. Ich komme ursprünglich aus dem Blended Learning, also Weiterbildungsprofi. Ich hab Unternehmen beraten, wie sie Seminare in Fernlern-Programme umwandeln können. Die meisten Onlinekurse passten dann einfach nicht zu meinem Bild von Lernprozessen. Mein Produktname damals war dann auch ein bisschen irritierend, weil ein Onlinekurs ja schon auch ein standardisierter bzw. teilweise standardiesierter Prozess ist und sich Coaches da ein wenig auf die Füße getreten fühlten.

So fand ich zu dem Namen: Marit Alke – Onlinekurse, die Wert schaffen.

Meinen Podcast startete ich vor zwei Jahren mit der Einsteigerserie „Von Null zum ersten eigenen Onlinekurs“ gestartet, in der ich mit 15 Folgen erst einmal die Grundlagen zum Thema Onlinekurs erkläre.

Ich begleite also Unternehmer dabei, ihr Geschäftsmodell Eins zu Eins in Onlinekurse umzubauen.

Wie bist du denn selbst darauf gekommen, ins Online-Business einzusteigen?

Durch mein Studium „Betriebliche Bildung und Management“ und meine beruflichen Erfahrungen komme ich ja schon aus diesem Bereich. Im Bereich der betrieblichen Weiterbildung heißt das dann zwar E-Learning oder Blended Learning, aber es ist schon auch ähnlich. Ich war bei den ersten Versuchen dabei, eine Onlineplattform für den Transfer der Inhalte zu nutzen. Ich war zum Beispiel auch Consultant für die Bayer AG, wo wir ein internationales Führungskräfte-Training entwickeln durften. Als externes Team überlegten wir, wie wir den Führungskräften das Wissen vermitteln und sie gleichzeitig auch zur Umsetzung im Job führen konnten.

Das hat mich sehr fasziniert und da kam dann mein Wunsch wieder raus, Menschen zu unterstützen, die unzufrieden in ihrem Job sind. Also hab ich mit meiner Kollegin damals entschieden, dass wir versuchen, das jetzt mal für Selbstzahler umzusetzen. Ganz ohne Online-Business habe ich damals gestartet und konnte tatsächlich aus meinen eigenen Kontakten Teilnehmer dafür gewinnen.

Mit der Geburt meines zweiten Kindes habe ich überlegt, was mache ich denn jetzt mit der Erkenntnis, dass es einen Markt für Selbstzahler gibt. In der Zeit habe ich auch das Online-Marketing entdeckt, habe einige Webinare angesehen und habe mir angesehen, wie machen es die anderen. Ein Schlüsselerlebnis hatte ich in einem Webinar mit einem Mann, der ein Programm verkaufen wollte mit 80 Stunden Video-Material. Davon war ich so geschockt, dass ich sagte: So, jetzt sage ich mal, wie ich den Lernprozess sehe und wie man einen guten Online-Kurs gestaltet.

Und damit starte für mich auch ein weiterer Lernprozess, nämlich der des Online-Marketing: Wie führe ich die Interessenten hin bis zum Kauf. Das fand ich auch super spannend.

Kann man dann sagen, dass du auch ein Sidepreneur warst? War dir klar, dass du sofort mit nem Onlinekurs starten wirst?

Marit: Ja, in gewisser Weise war ich auch Sidepreneur. Ich hab mich mit damals selbstständig gemacht und in meiner ersten Elternzeit ein Fachbuch geschrieben. Darüber habe ich gute Aufträge erhalten. Und beim zweiten Kind hab ich darüber nachgedacht, was ich machen soll.  Anfangs war mir nicht klar, wo das hinführen würde. Ich hatte das große Bedürfnis, darüber aufzuklären, dass 80-stündige Video-Kurse nicht zielführend sind. Die Leute, die wirklich ihr Wissen transportieren wollen, denen wollte ich die Möglichkeit geben, gute und wertige Onlinekurse zu entwickeln. Doch ob das alles in einem Onlinekurs mündet, das war nicht klar.

Wie hast du deinen ersten Onlinekurs empfunden?

Marit: Ich hab ja schon einen Onlinekurs gemacht, den über persönliche Akquise gefüllt hatte. Ich kannte das Prinzip ja bereits aus meiner Arbeit. Der Kurs war so aufgebaut, dass es Modulbriefe gab, die dann Anleitung gaben, den Austausch in Gruppen, die wir moderierten und die Einzelcoachings. Wobei wir damals merkten, dass die Coachings gar nicht so wichtig waren, viel wichtiger war der Austausch in den Gruppen.

Unterscheidet sich dein Angebot von damals grundsätzlich von dem heute?

Marit: Die Idee ist die gleiche geblieben. Ich sorge dafür, dass die Teilnehmer sich untereinander gut kennen, denn das ist für alle ein riesiger Mehrwert. Ich betreue die Kursteilnehmer immer noch über einen gewissen Zeitraum intensiv betreue und es dann eine betreute Umsetzungsphase gibt. Mein Marketing hat sich aber grundlegend geändert. Denn nachdem ich alle meine Kontakte motiviert hatte, brauchte ich natürlich andere Wege. Ich hab eine große Liste anonymer Follower, die dann intensiv von mir hören und ich ihnen die Möglichkeit gebe, sich für mein Programm zu entscheiden. Das ist das „Lehren vor der Seminartür“ und im Kurs geht es dann „hinter der Seminartür“ weiter.

Der Start für den Onlinekurs beginnt also schon viel früher als der Onlinekurs selbst?

Marit: Genau. Also für mich als Anbieter gehört die gleiche Zeit als Vorbereitung dazu. Der Launch sollte so lange dauern wie das eigentliche Programm. Wenn man den Kurs dann wiederholt, kann man natürlich auf Materialien zurückgreifen und sie einfach nur aktualisieren.

In einer Folge deines Podcast Online-Business Lounge hast du mal erzählt, dass du 80.000 € mit Onlinekursen in 2016 verdient hast. Das hört sich für mich sehr erfolgreich an. Wie siehst du denn die Chancen für einen Sidepreneur, mit Onlinekursen reich zu werden?

Marit: Man muss schon auch sehen, dass so ein Erfolg ja nicht im ersten Jahr zu schaffen ist. Bei  mir war es im vierten Jahr. Ich habe auch ziemlich geringe Kosten. Aufgrund des Erfolges hat mein Mann auch seine Arbeitszeit reduziert und das ist, was wir wollten.

Mit den Onlinekursen ist es wie mit allen anderen Geschäftsmodellen auch: Es braucht seine Zeit und es braucht das Dranbleiben. Kundenorientiere Geschäftsleute testen und lassen sich durch Misserfolge nicht abschrecken. Ich kenne mittlerweile einige wertorientiere Unternehmen, die mit betreuten Onlinekursen gut verdienen. Mit Selbstlernkursen ist das meiner Meinung nach nicht möglich. Das besondere an den betreuten Programmen ist ja auch, dass man eine Community hat und dass der Teilnehmer betreut wird. So kann er auch schnelle Entscheidungen treffen und sich weiterentwickeln. Das wird in der Regel als großen Mehrwert wahrgenommen.

Der Skalierungseffekt stellt sich auch erst nach dem zweiten oder dritten Durchgang ein. Die erste Durchführung ist super anstrengend, weil alles neu erstellt werden muss. Nach dem Stundensatz darf man da nicht schauen. Durch diese erste Zeit muss man dann erst mal durch.

Das unternehmerische Durchhalten ist an dieser Stelle sehr wichtig.

Oder aber, man erkennt, dass das Geldverdienen mit Onlinekursen nicht das Richtige ist. Das ist ja auch eine Möglichkeit.

Du empfiehlst also, die Inhalte nicht im stillen Kämmerlein zu entwickeln und an die Idee des eigenen Onlinekurses glauben.

Marit: Ja, an die Idee glauben und den Kontakt mit der Zielgruppe halten. Anfangs ist es für alle schwer, seine Liste aufzubauen und bekannt zu werden. Doch wenn man beim zweiten oder dritten Kurs keine Teilnehmer findet, dann stimmt was mit dem Programm nicht. Dann ist es wichtig, nachzufragen, was die Zielgruppe denn braucht. Das kann auch bedeuten, dass man mal den Telefonhörer in die Hand nimmt und mal ganz konkret fragt.

Hast du Tipps, wie man Kontakt mit seiner Zielgruppe aufnimmt?

Marit: Ganz klassisch: Einfach mal mit den Menschen im direkten Kontakt zu sprechen. Und dann nicht nur selbst reden, sondern vor allem auch zuhören. Gordon Schönwalder hat tatsächlich mal Interviews dazu geführt.

Viele wünschen sich ja gerade das Online-Business, damit sie nicht vor andere treten müssen. Wie würde ich denn konkret vorgehen, wenn ich eine Idee für einen Onlinekurs habe?

Marit: Onlinekurse ist ja auch für Introvertierte geeignet – seine Zeilgruppe muss man ja nicht direkt treffen. Wenn du ein Programm machen willst, brauchst du schon Sichtbarkeit. Das heißt, die Kurse und die Informationen müssen gut sein. Also erst einmal kostenlos lehren.

Dann startest du einen Pilotkurs. Du bist damit nicht Publisher, sondern du machst einen Gruppenworkshop. So hast du eine andere innere Haltung. Du bist ja in deinem Thema drin und kannst flexibel reagieren.

Du erstellst dann ein Konzept. Wo holst du den Teilnehmer ab und wo willst du ihn hinführen? Am Besten sind überschaubare Programme. Im Anschluss kannst du die Verkaufsseite erstellen.

Im letzten Schritt gehst du in die Vermarktung. Und mit der Community, die du aufgebaut hast, gewinnst du deine ersten Teilnehmer.

Und dann startest du mit deinem Kurs, vielleicht mit einem wöchentlichen Rhythmus, vielleicht mit Webinaren oder auch schon Videos. Und während des Kurses siehst du dann, was deine Teilnehmer brauchen und erstellst deine Inhalte ganz nach diesen Bedürfnissen. Es ist unglaublich, wie unterschiedlich hier die Sichtweisen sind: Fast immer sind die Bedürfnisse anders als man vorher denkt. Onlinelerner ticken einfach anders. Wichtig ist dann, dass du den Kurs anpasst.

Würdest du den Lean-Ansatz dann auch für die folgenden Durchgänge des Onlinekurses empfehlen?

Marit: Jein. Der finanzielle Erfolg eines Onlinekurses kommt ja durch die Wiederholungen. Der Vorteil der Wiederholung liegt auch in der Empfehlung, wenn der Kurs von 30-40 Personengemacht wurde. Standardisieren der Elemente ja, aber dann immer wieder durchführen.

Wenn du den Kurs dann gemacht hast und das Gefühl hast, du hast Lust auf ein neues Programm, dann kannst du ein neues Programm entwickeln und wieder einen neuen Pilotkurs starten. Dennoch:

Geld verdienen tun die, die wiederholen, was funktioniert.

Gerade für Sidepreneure, die ja nicht so viel Zeit haben, macht es Sinn, wenn sie sich auf einen Kurs fokussieren und nicht immer wieder die volle Energie in ständig neue Onlinekurse investieren. In diesem Punkt steht das unternehmerische Denken der Kreativität gegenüber. Aus unternehmerischer Sicht müsste man einen betreuten Kurs zuerst in einen automatisierten Kurs umarbeiten, bevor man sich einem weiteren betreuten Onlinekurs widmet.

Gerade hast du erwähnt, dass man ab einem gewissen Bekanntheitsgrad auch eine Präsenzveranstaltung machen kann. Du machst im April 2018 die InspiCon – willst du uns dazu was erzählen?

Marit: Obwohl ich gesagt hatte, dass ich keine Präsenzveranstaltungen mehr mache, hat sich das so entwickelt, dass ich all die Leute, die mit dem Podcast und Kursen angefangen haben, mal wirklich zu treffen. Da haben wir das Inspi-Camp als Barcamp veranstaltet. Diese Veranstaltung richtet sich an Erfahrene zum gegenseitigen Austausch. Und  es kam so gut an, dass wir in den letzten Jahren eigentlich immer ausverkauft waren. Da liegt es nahe, so was in der Art mal größer zu machen – auch um die Einsteiger mit ins Boot nehmen zu können. Und so ist die Idee der Konferenz entstanden. Am Vormittag gibt es Vorträge und am Nachmittag dann Sessions. Dieses „Hinter die Kulissen-Blicken“ ist so wertvoll und bereichernd.

Du bist also auch der Überzeugung, dass Online-Vernetzung gut ist, aber die offline-Vernetzung dann trotzdem etwas anderes.

Marit: Ja, schon. Es überlegen ja immer mehr erfahrene Onlinekurs-Mache, wie sie offline-Events in ihren Kurs einbauen können. Denn die richtige Tiefe die kommt dann doch durch das Kennenlernen, beziehungsweise die Tiefe, die im Onlinekurs entstanden ist, kann man in einem Offline-Event noch besser nutzen. Diese Erfahrung habe ich auch in der Arbeit mit den Führungskräften von Bayer gemacht.

Welche drei Tipps würdest du unseren Sidepreneuren in Punkto Onlinekurs und Erstellung eines Onlinekurses mit auf den Weg geben?

Marit: Der wichtigste Tipp ist: Es dauert. Du musst das Business-Modell umbauen. Und dafür brauchst du Zeit. Das musst du wirklich akzeptieren.

Mein zweiter Tipp: Denk auch dran, dass es um echte Beziehungen geht. Sowohl im Marketing als auch im Kurs. Menschen wollen eine Beziehung – und keine Automatisierung. Die Beziehung will gepflegt werden. Vernetzung mit Multiplikatoren und Kollegen führen dich schneller zum Ziel als Facebook-Ads.

Als dritten Tipp sage ich dir: Wachse langsam in die Technik. Materialisiere langsam dein Wissen zum Beispiel in einem Arbeitsblatt. Alles auf einmal zu lernen, ist einfach zeitlich zu anspruchsvoll – gerade für Sidepreneure.

Liebe Marit, ich danke dir für das tolle Interview und deine wertvollen Tipps, die dun uns hier gegeben hast.

Wenn du dich für Onlinekurse und ihre Erstellung interessierst, findest du Marit Alke unter anderem hier:

Marits Webseite: www.marit-alke.de
Marits Einsteiger-Serie: www.marit-alke.de/einsteigerserie
Marits Onlinekurs: Mein erster Onlinekurs
Die InspiCon: inspicon.de

 

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Dajana von Sidepreneur

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