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Das Ende der dummen Arbeit: Interview mit Bestseller Autor Felix Plötz zu seinem neuen Buch

In diesem Interview spreche ich mit Felix Plötz über sein neues Buch und die Vor- sowie Nachteile von Corporate Entrepreneurship. Jetzt anhören:


Du liest lieber? Kein Problem! Hier findest du das Interview in Schriftform:

Corporate Entrepreneurship ein Allheilmittel für die deutsche Wirtschaft?

Peter: Ich habe hier einen alten Bekannten, den Ihr mit mir in unseren #FragSidepreneur Folgen fast jeden Mittwoch hört, nämlich Felix Plötz!

Wir sind heute aus einem ganz bestimmten Grund hier: Felix hat ein neues Buch geschrieben. Worum es geht und um welche Thematik es sich als solches handelt, besprechen wir jetzt.

Es ist ein spannendes Thema, was aktuell in Deutschland immer mehr Aufmerksamkeit bekommt. Wir möchten es kritisch beleuchten, ob es das Allheilmittel für jegliche Probleme ist, die wir in der deutschen Wirtschaft haben.

Hallo Felix!

 

Ein 4 Stunden Startup Im eigenen Unternehmen als neue Dimension

Felix: Hallo Peter, schön, wieder hier zu sein. Mein neues Buch* erscheint am 21. September und ist der Nachfolger von dem 4 Stunden Startup*.

Das Buch wird „Das Ende der dummen Arbeit*“ heißen. Es trägt den Gedanken aus dem 4 Stunden Startup und entwickelt ihn weiter.  Ich zeige darin, wie man ein Unternehmen aus einem 4 Stunden Startup gründet und Sidepreneur im eigenen Unternehmen wird. Ich bin diesen Weg selbst gegangen und durfte erleben, welche Vor- und Nachteile das bringt. Ich halte das tatsächlich auch als ergänzende Idee zum 4 Stunden Startup, die für ganz ganz viele passt, für die ein richtiges Sidepreneur-Projekt gar nicht passen würde. Es ist in den letzten 2 – 3 Jahren so viel passiert, ich habe viele spannende Interviews geführt. Ich bin sehr stolz und freue mich sehr, dass das Buch herauskommt. Es wird für ganz viele Leser und Sidepreneure eine neue Dimension zeigen.

 

 

Corporate Entrepreneurship als Weiterentwicklung des Sidepreneur Gedankens

Peter: Du hattest ja im 4 Startup schon erwähnt, dass die unternehmerische Selbsterfüllung bei einem 4 Startup noch außerhalb des Unternehmens stattgefunden hat. In Deinem neuen Buch geht es um Corporate Entrepreneurship. Ist das eine Weiterentwicklung des Gedankens des Sidepreneur Daseins und bedeutet es, dass etablierte Unternehmen ihre Mitarbeiter dazu bewegen sollten, ihre unternehmerische Energie innerhalb eines Unternehmens verwirklichen zu können, anstatt es als Sidepreneur zu tun?

 

Das Ausgangsbuch 4 Stunden Startup

Felix: Vorab noch einmal zu dem ausgehenden Buch: „Das 4 Stunden Startup*“. Wenn man mit einem Produkt rausgeht, egal, ob das ein Buch oder ein Podcast oder ein physisches Produkt oder sonst irgendwas ist: man hat ja eine Erwartung. Man denkt, okay, das könnte diese Zielgruppe erreichen und für den spannend sein. Was dann dabei herauskommt, weiß kein Mensch.

Ich hatte eine klare Vorstellung bei dem 4 Startup. Der Weg, den ich damals gegangen bin und den auch alle Sidepreneure gehen oder gehen wollen, ist für viele spannend. Dass das Buch “ 4 Stunden Startup“ mittlerweile 2,5 Jahre ununterbrochen auf den Beststellerlisten stehen würde, das habe ich mir in meinen kühnsten Träumen nicht ausgemalt. Das hat mich völlig umgehauen, als es da eingestiegen ist und bis heute nicht wieder rausgefallen ist. Ich kann das immer noch nicht fassen!

Viel zu viele sind mit ihren normalen Jobs nicht glücklich

Das hat nicht nur etwas mit mir und meinem Buch zu tun, sondern es hat vor allem etwas damit zu tun, wie viele Leute da draußen sind, die einfach mit ihren normalen Jobs nicht glücklich sind. Das ist eine Katastrophe, wie viele Leute irgendwo ihren Brotjob als genau den verstehen, der ausschließlich ihre Rechnungen bezahlt.

Sie gehen dahin und haben nicht die Perspektive, können nicht ihr volles Potential abrufen und wollen oder müssen nebenbei etwas anderes machen. Das war dann auch der Auslöser für die Idee, „Das Ende der dummen Arbeit*“ zu schreiben.

 

1999 die erste Startup Welle

Wenn wir einmal überlegen, welche Möglichkeiten es gibt, sich unternehmerisch zu betätigen, dann gab es vor 15 – 20 Jahren eigentlich nur die Möglichkeit.

Du kündigst und gründest ein Tech Startup. Dafür nimmst Du Geld auf und versuchst einen IPO zu machen. Das war 1999 die erste Startup Welle.

Das man überhaupt nebenbei etwas machen kann, ist es ja eine sehr junge Idee. Als ich 2011 begonnen habe, dachte ich, ich wäre der einzige Mensch auf der Welt. Ich dachte, ich bin völlig verrückt, dass ich nach dem Job noch Lust habe, an einem eigenen Projekt zu arbeiten. Mittlerweile ist das völlig normal.

 

Heute ist die klassische Startup Welt fast schon Mainstream

Inzwischen ist auch die Startup Szene irgendwie Mainstream geworden. Ich erlebe immer wieder, dass Leute sagen, ich gehe nach Berlin, gehe in ein Startup und dann ist alles besser.

Dem ist nicht so.

Klar, wenn Du als Gründer erfolgreich bist und  Dein Startup lässt sich vielleicht sogar verkaufen. Du hast das mit Deinen eigenen Händen geschaffen. Das ist fantastisch. Man darf aber auch nicht vergessen, dass ganz viele Menschen in Knochenmühlen unterwegs sind. Für ganz kleines Geld enorm viel arbeiten! Zwar steht ein Kicker  in der Ecke und freitags isst man zusammen Pizza, aber es ist nicht die große Erfüllung. Das ist die klassische Startup Welt.

 

Die 4 Stunden Startup Welt hat Vor- und Nachteile

Dann gibt es eben die Welt der 4 Stunden Startups. Sie sind immer noch eine wunderbare Möglichkeit, nebenbei etwas aufzubauen! Aber sie ist definitiv auch nich für jeden etwas. Wenn Du z.B. ein kleines Kind zu Hause hast, oder Deine Eltern pflegen musst, oder sonst irgendetwas neben dem Job hast, dann sind die Möglichkeiten natürlich eingeschränkt, etwas nebenbei zu machen. Auch selbst wenn Du die Möglichkeit hast gibt es noch weitere Vor- und Nachteile.

Das, was du da tust, hat nichts mit der Arbeit zu tun. Das kann ein großer Vorteil sein, weil es Dir emotional einen neuen Spielraum gibt, Dir emotionale Freiheit gibt, Dir finanziell vielleicht auch Freiheit gibt, aber, wenn Du eine guten Job machst und Dir viele Skills aufbaust, es zahlt nicht auf Deine Karriere ein.

Wenn eine Idee nicht so richtig abgeht, sondern nur mittelmäßig,  dann hat das am Ende nicht auf Deine Karriere eingezahlt. Man kann vielleicht sagen, das interessiert mich auch nicht so wirklich, weil ich sowieso bald kündige, dann ist das ok.

 

Zahl’ auf Deine Karriere ein und mache Deine Arbeit besser

Es wäre aber toll, wenn Deine unternehmerische Power auch auf Deine Karriere einzahlt und Deinen normale Arbeit verbessert. Das zeige ich in meinem neuen Buch:

  • Welche Möglichkeiten es gibt Intrapreneur zu werden.
  • Wie ich, ohne meinen Hauptjob zu vernachlässigen, ein cooles Projekt innerhalb der Firma anstossen kann.

Peter: Lass uns auch noch auf den zweiten Teil meiner Frage eingehen!

Aus Unternehmenssicht: Ist es nicht spannend genau die Leute, die bisher eher nebenberufliche Gründer waren, auch dazu zu bringen, ihre unternehmerische Power im Unternehmen einzusetzen, um Projekte voranzubringen und für das ganze Unternehmen Erfolg zu bringen.

Felix: Absolut, ein klares Ja. Wenn ich meine Vorträge in Unternehmen halte, geht es ja ganz häufig um diese Themen. Wie können wir innovativer werden, wie können wir agiler werden, wie können wir diese Digitalisierung als Chance sehen, um uns als Unternehmen auch weiterzuentwickeln.

 

Wer sind die Unternehmer im Unternehmen

Was brauchst man denn? Man braucht Menschen, die offen für neue Möglichkeiten sind und viel erreichen wollen. Klar, in jeder Firma hast du den normalen Querschnitt der Gesellschaft.

Sie ist nicht homogen. Du hast genau die Leute, die Du gerade genannt hast, Du hast die, die Lust darauf habe. Menschen, die sagen, ich will mich einbringen, ich will solche Themen voranbringen, lasst mich machen. Das sind genau die, die eine Transformation und eine Weiterentwicklung eines Unternehmens vorantreiben. Die können das nicht alleine, aber die müssen der Startpunkt sein, deswegen ist es so wichtig, auch in etablierten, ganz normalen, großen Unternehmen genau die Personen zu finden, die Unternehmer im Unternehmer werden wollen.

Das sind häufig die, die schon Erfahrungen gemacht haben. Nicht die, die sagen, ja, ich würde ja auch mal gerne und Berlin und  die Höhle der Löwen finde ich auch gut. Es sind die Menschen, die wirklich schon etwas gemacht habe. Die schon einmal im Studium oder während der Schulzeit etwas unternehmerisch umgesetzt haben. Die z.B. schon ein 4 Stunden Startup aufgebaut haben. Diese Personen sind für die Unternehmen extrem spannend. Auch das zeige ich in meinem neuen Buch* auf.

Es hat sich unglaublich viel getan, die Möglichkeiten in Unternehmen sind da. Du kannst spannende Projekte starten und gleichzeitig auf Deine Karriere einzahlen!

 

Intrapreneurship & Corporate Startups in der Presse

Peter: Mir ist bewusst, dass wir uns in einer Blase bewegen und es sich bei uns sehr viel um das Thema Entrepreneurship dreht.

Wenn man aber die Presse verfolgt, dann hat man das Gefühl, dass die Themen Intrapreneurship, Corporate Entrepreneurship & Startups fast schon ein bisschen gehyped werden.

Was meinst Du warum das so ist?

Felix: Ich habe nicht das Gefühl, dass es schon so gehyped wird. Ich habe das Gefühl, dass viel passiert, aber wir haben das Ende der Fahnenstange noch lange nicht gesehen. Es gibt immer noch viele Unternehmen, die klassisch top down funktioniere. In denen der Chef sagt, was gemacht wird und dann wird unten einfach nur ausgeführt. Ich glaube. es ist ein riesiges Potential da, selbst unternehmerischer zu werden, agiler zu sein und einfach auch bessere Arbeit zu machen.

Peter: Warum meinst Du, dass die Presse dieses Thema aktuell so beleuchtet?

Felix: Die Presse hat das Thema aufgenommen, weil der Druck durch die Digitalisierung da ist. Es ist völlig egal, ob Du Dir z.B. Banken, Versicherungen oder Automobilhersteller ansiehst, es herrscht massiver Innovationsdruck. Nach mittlerweile 10 Jahre Aufschwung seit der großen Krise geht es nicht um Kostenkontrolle und wie man die letzten 0,2 % Punkte aus der Supply Chain herausdrückt, sondern es geht um gute Ideen, es geht um Innovation.  Das sind die vorherrschenden Themen.

Ich habe es im Buch auch so aufgebaut. Das Buch richtet sich an Menschen wie Dich und mich, die in einem normalen Unternehmen arbeiten und etwas Cooles machen wollen. Jedes Kapitel hat am Ende ein Unterkapitel namens „Hallo Chef“. Ich zeige den Chefs und Führungskräften, warum das eine Idee sein kann, die vielleicht in den ersten Zügen ein bisschen schräg klingt.  Solche Projekte oder solche Programme existieren vielleicht noch gar nicht, aber ich zeige auf, warum es gut ist, solchen Leuten mehr Gestaltungsspielraum zu geben, die machen zu lassen, denen unternehmerische Projekte zu geben.

Fehlende Fehler- und Innovationskultur in Deutschland

Peter: Lass uns mal hier kurz einsteigen. Meinst Du dass es aktuell in Deutschland auch so ist, dass wir so gerade in Unternehmen die fehlende Fehler- und Innovationskultur haben?

Felix: Absolut. Es geht auch gar nicht darum, dass Scheitern erstrebenswert wäre, Scheitern ist mehr als bescheiden. Aber wenn wenn ich nie scheitern darf, bedeutet es gleichzeitig, dass ich keine Fehler machen darf, dass ich nie etwas ausprobieren darf. Es geht nicht darum, dass wir am Ende cool gescheitert sind, sondern es geht darum, dass wir uns überhaupt erlaubt haben, etwas auszuprobieren.

Das ist in ganz vielen Unternehmen einfach immer noch nicht Usus. Man hat so sein laufendes Geschäftsmodell, das gibt es seit 10, 20, 30 Jahren das funktioniert, man verdient Geld, aber dieses Mindset, dass man etwas Neues machen möchte, ein neues Produkt, einen neuen Bereich, eine Innovation, das man dann einfach mal scheitern können muss bzw. darf, weil man vorher nicht weiß, was funktioniert. Das ist noch völlig neu.

Ich war letzte Woche auf einer Veranstaltung, auf der ich einem Vortrag gehalten habe. Der zweite Redner war Kai Diekmann von Springer, der damals 2012 diese Management Reisen ins Valley populär gemacht hat. Er war ja damals in dieser Valley WG. Er hat dann später in den Q&As gesagt, dass es bei Springer Usus und wirklich völlig klar, dass wenn man ein neues Produkt herausgebracht hat, es im Businessplan absehbar sein musste, dass man Marktführer wird.  Wenn das im Businessplan nicht projizierbar war, ist man das Thema erst gar nicht erst angegangen.

Aber wieviele Chancen nimmt man sich denn, wenn man sagt, nein, bei uns werden keine Fehler gemacht, wir werden immer Marktführer sein und scheitern nicht. Das ist nicht mehr zeitgemäß!

 

Das Beispiel Facebook für eine extreme Fehlerkultur

Peter: Ohne Werbung machen zu wollen, war ich z.B. letztens in der Deutschland Zentrale von Facebook. Hier wird ganz viel in Projekten angestoßen. Ein Mitarbeiter in Führungsposition erzählte, dass man diese Fehlerkultur extrem lebt. Die Zielvereinbarung, die jeder Mitarbeiter hat, muss so aufgebaut sein, dass nur 50% der Ziele wirklich erreicht werden können. D.h. die Zeile müssen ambitioniert sein und auch so innovativ sein, dass sie auch scheitern können. Natürlich je ausgefallener so ein Projekt und je ambitionierter es ist, kann es sein, dass es scheitert. Das ist ein ganz gutes Beispiel der anderen Seite. Man lebt es wirklich und ist sich dessen bewusst, dass innerhalb eines Unternehmens nicht jedes Ziel erreicht werden kann und dass man dieses unternehmerische Mindset auch leben darf.

 

Startup Szene für Erwachsene

Felix: Wenn ich immer das Gleiche mache und ich immer nur am laufenden Business arbeite und möglichst effizient sein muss: Dass ist toll, da wird Geld verdient, das sind Arbeitsplätzen, ich möchte das auch in keiner Weise in Kritik stellen. Aber! Wenn ich persönlich Lust darauf habe, etwas Neues zu machen und wenn mein Chef mich auch  ansatzweise versteht, dass man innovativ und zukunftsgerichtet unterwegs sein möchte, dann muss diese Fehlertoleranz möglich sein. Es geht auch nicht jeden Mittelständler hier zum hippen Startup zu machen. Ich hasse es, wenn jetzt jeder eine bunten Sitzecke hat und der Kicker in der Ecke steht und man denkt, jetzt ist man „startup-ig“. Ganz im Ernst, was wir brauchen ist eine Startup Szene für Erwachsene in unserem Leben.

Einfach bessere Arbeit. Weniger dumme Arbeit, mehr gute Arbeit!

Peter: Du hast für Dein neues Buch eine Menge Interviews geführt. Gab es ein konkretes Beispiel, dass Dich besonders beeindruckt hat?

 

Die Deutsche Bahn mausert sich

Felix: Ja. Auf jeden Fall. Ich habe im 4 Stunden Startup noch die deutsche Bahn als negatives Beispiel genannt. Die hatten seinerzeit einen Prozeß, den Vorstand ins Valley zu schicken und dann ein Innovation Lab zu eröffnen. Die Bahn hat 300.000 Mitarbeiter.  Wie viele waren im Innovation Lab? 15 Mitarbeiter. 0,03 ‰. Das ist albern.

Wenn sie jetzt sagen würden, das interessiert uns nicht und Unternehmertum ist uns egal, dann kann ich das verstehen. In den meisten Stellenanzeigen stand aber, dass unternehmerisches Handeln und Denken als Grundvoraussetzung gilt. Ich habe damals eine Stellenanzeige für einen Planungsingenieur Fahrbahnen gelesen. Es sollte unternehmerisches Denken und Handeln mitgebracht werden. Das ist absurd.

Mittlerweile zeigt das Unternehmen, deswegen habe ich es auch mit ins Buch genommen, ein ganz anderes Gesicht!

Sie haben verstanden, dass sie 300.000 potentielle Ideengeber haben, dass sie 300.000 potentielle Unternehmer haben. Natürlich treibt nicht jeder ein am Ende ein Projekt voran. Wenn nur 5 % etwas Gutes machen, dann haben 5 % eine bessere Arbeit und dann ist ein ganz anderes  Potential abgerufen worden.

 

Intrapreneurship Programm für jeden

Die Bahn hat mittlerweile auch ein Intrapreneurship-Programm, was allen zugänglich ist. Du bekommst alles, was Du brauchst: Know How, Netzwerk, Ressourcen, Skills und Schulungen und am Ende auch Geld. Bei der deutschen Bahn läufst Du durch verschiedene Phasen, bspw. ein Demo Day.

Irgendwann, wenn dann die Frage kommt, willst Du es machen, dann kannst Du es immer noch zurückziehen. Vielleicht, weil Du sagst, ich habe gerade ein Haus gebaut, ich traue mich nicht. Du machst einen Sprung ins warme Wasser und hast sogar immer noch eine Rückkehr Garantie. Die haben das Netz gespannt und Du kannst nichts verlieren.

Der gleiche Ansatz gilt im Sidepreneur Business´, man macht es nebenbei, hält das Risiko klein und erhöht es nicht künstlich.

Peter: Es gibt hier also auch keine Anordnung von oben: „Du musst jetzt Unternehmer sein!“

Felix: Genau, man lässt den Leuten die freie Wahl. Sie wollen die großen Ideen. Am Ende müssen sich die Leute auch einmal entscheiden, wenn sie zum Beispiel  von einem Dritten Geld einsammeln, dann ist der Tag gekommen, an dem man sagt, ok, du hättest jetzt theoretisch noch ein paar Monate Zeit gehabt, dir das zu überlegen, ob Du zurückgehen willst, aber wenn wir jetzt hier Geld extern einsammeln, dann wollen wir auch von Dir das klare Commitment.

 

Intrapreneurship auch im Mittelstand

Ich bewundere aber auch die Stories, wo derlei Programme nicht üblich sind. Wenn es beispielsweise bei einem Mittelständler in Münsterland oder Brandenburg passiert und es trotzdem funktioniert.

Ich habe eine Story in dem Buch, wo eine Idee von der Geschäftsleitung plötzlich im Raum stand. Man hat sie dann einfach im Unternehmen kommuniziert, und fragte, wer hat Lust mitzumachen? Dann hat sich ein Team gefunden, mit Teamleiter, jemand aus dem Controlling und am Ende sogar eine Praktikantin. Die sind in dem Team gleichberechtigt und nutzen ihre Freizeit teilweise, um dieses Business aufzubauen. Sie brennen alle für die Idee.  Es handelt sich hier um eine inhabergeführten Mittelständler. Die Unternehmensleiterin fand das auch gut und hat gesagt, uns sind solche Werte wichtig, ich will Unternehmer in meinem Unternehmen, ich will das Unternehmen agiler machen. Das war nicht nur Gerede, sie macht das wirklich.

Sie hat dem Team ein Startkapital gegeben und jetzt läuft es seine Meilensteinplan ab, macht tolle Fortschritte. Ein bemerkenswertes Projekt, was mich sehr beeindruckt hat!

 

Klare Kommunikation und Rückendeckung von den Chefs

Peter: Ich frage mich, ob es dem Arbeitgeber bewusst ist, dass das auch Zeit in Anspruch nimmt? Du sagtest, die manchen vieles in ihrer Freizeit. Oftmals hört man auch, dass das „Daily Business“ nicht herunterfallen darf. Muss eigentlich vom Arbeitgeber auch Zeit freigestellt werden, um diese unternehmerischen Projekte voranzubringen zu können? Und wird anderen Mitarbeitern auch klar kommuniziert: Die arbeiten jetzt nicht an dem Daily Business, aber an dem Projekt und sind wichtig für das Unternehmen?

Felix: Absolut, wenn das nicht passiert, kann man den Rückschluss ziehen, dass es von der Führung nicht ernst gemeint ist. Denn es macht sich ja nicht von allein. Ich kann von den Leuten nicht erwarten, dass sie am Wochenende in der Firma sitzen und an ihrem internen 4 Stunden Startup arbeiten. Das muss eine Ernsthaftigkeit und eine Rückendeckung von oben haben. Wenn das nicht der Fall ist, muss ich mich fragen, ob ich wirklich am richtigen Fleck bin.

Peter: Wichtig ist auch, dass zwischen den Mitarbeitern, um keine Probleme aufkommen zu lassen,  es klar sein muss. Wie oft habe ich das in den Gesprächen gehört: die Abteilung verdient das Geld und gibt das, was wir verdienen für Innovationsprojekte aus. Eifersucht kommt da gerne auf. Ich denke, es muss zwischen den Abteilungen klar kommuniziert werden, warum das Projekt wichtig ist, was die anderen machen, sodass sich niemand abgehängt fühlt.

 

Man muss alle mit ins Boot holen

Felix: Das ist sehr wichtig. Das gehört mit zu den Führungsaufgaben, dass ich alle in meinem Unternehmen mitnehme und denen sage, unser Tagesgeschäft ist wichtig, das zahlt uns allen Essen und Miete. Wir wollen das auch in 5 Jahren noch haben. Das, was wir heute als verrückte Innovation einmal austesten, das ist in 5 Jahren unser Tagesgeschäft. Das muss klar kommuniziert sein, man muss alle mit ins Boot holen.  Es ist wichtig, das die Leuten, die intern diese Privileg bekommen, etwas voranzutreiben, eventuell auch finanziell beteiligt sind, das sie natürlich auch die Extrameile gehen. Das Buch „Das Ende der dummen Arbeit“ ist jetzt nichts für den, der sagt, ok, ich habe eh keine Lust mehr auf den Laden. Karriere Ambitionen sollte man auch haben, dann „zahlst“ Du „auf Dich“ ein.

 

 

Es gibt nicht nur Erfolgsstories

Peter: Ich frage jetzt ein wenig ketzerisch. Wenn man uns so sprechen hört, könnte man meinen, „gib den Mitarbeitern ein bisschen unternehmerische Freiheiten und dann läuft das Ganze schon“. Man hört nicht nur von Erfolgsprojekten. Oftmals wird medial berichtet, dass viele dieser Projekte scheitern. Warum ist das so, dass Projekte eingestellt werden? Warum gibt man ihnen nicht die nötige Zeit? Aus welchen Gründen scheitern die Projekte? Was sind die Gründe Deiner Meinung nach dafür?

Felix: Ich habe durch die Interviews die Erfahrung gemacht, dass häufig eine “Kurzfrist-Perspektive” der Manager existiert.  Natürlich müssen sie diese haben. Innovative Projekte sind nichts für die Quartalszahl-Orientierung. Wenn Du einen inhabergeführten Laden hast, muss jemand vorne sitzen, der das Unternehmen vielleicht mit aufgebaut hat, dann ist da eventuell eine andere Mentalität vorhanden. Dann bekommen diese Ideen auch häufiger die Zeit, die sie brauchen. Dann gibt es auch öfter eine Fehlertoleranz, als das bei einem Quartalszahlen getriebenen Unternehmen der Fall ist.

 

Bis zu 90% der Ideen scheitern

Wir haben an anderer Stelle in einer #FragSidepreneur Folge darüber gesprochen.

Man hat 10 Ideen, klasse Ideen und es scheitern 8 davon. Das hat nichts damit zu tun, dass man inkompetent ist oder den Markt nicht  kennen würde. Da spielt auch auch Glück und Zufall mit. Man kann die allerbesten Annahmen treffen, dann kommt die Realität dazwischen und dann sind  noch 2 Ideen übrig. Diese Statistik zeigt auch, dass 8  von 10  Startup Ideen scheitern! Das ist auch bei internen Startups nicht anders.

Ich habe auch Geschichten gehört von Leuten, die gehyped wurden, die plötzlich 10-20 Mio. intern an Geld bekommen haben, 100 Leute intern aufgebaut haben, die Führungskräfte sind in deren Büro gepilgert, haben Fotos gemacht für das Intranet, die sind gefeiert worden und plötzlich kommen die Quartalszahlen heraus, der Laden macht Verlust und das erste, was denen gekappt wird, ist das Innovationsprojekt. Das ist natürlich schlecht.

 

Haben traditionelle Unternehmen das richtige Mindset?

Peter: Hat das familiengeführte, traditionelle Unternehmen – ohne Familienunternehmen negativ zu werten –  das richtige Mindset, wie es z. B. ein VC hat? Ist in Deutschland das Streben gleich zu Beginn Gewinne zu erzielen eher kontraproduktiv? Ein Familienunternehmen oder auch ein mittelständisches Unternehmen verdient anders Geld als es z. B. ein Startup macht.

Das Startup setzt zuerst auf Skalierung am Markt und dann irgendwann „hinten heraus“, wenn eine kritische Menge an Kunden aufgebaut wurde, werden Gewinne im großen Stil eingefahren.

Ein Mittelständler schaut vielleicht genau darauf, das die Gewinnmarge bei jedem Produkt von Anfang an stimmt. Ist es dann nicht auch schwierig, neue Businesskonzepte aus diesem traditionellen Denken, den wir im deutschen Mittelstand haben, auszulösen und zu sagen, „ok, das läuft jetzt ein bisschen anders“?

Felix: Es gibt verschiedene Denkwelten und wir sehen es bei vielen Unternehmen, wenn ein Wechsel an der Führungsspitze stattfindet. Ein sehr spannendes Beispiel ist Viessmann.

Als Max Viessmann übernommen hat, hat er auch eine andere Denkweise mit ins Unternehmen gebracht. Er geht nicht her und sagt, unser Tagesgeschäft ist langweilig, das möchte ich nicht mehr. Er bringt eine andere Perspektive mit ein und sagt, wir probieren Dinge aus.

 

Scheitern mit einem internen Projekt beendet nicht gleich die Karriere

Wenn jemand ein internes Projekt betreut, alles gegeben hat und am Ende funktioniert es nicht, dann ist seine Karriere nicht beendet, sondern er ist als Mitarbeiter wertvoller geworden, als er es zuvor war. Ich glaube, diese Denkweise wird in viel mehr Unternehmen benötigt. Die Gründerväter der deutschen Konzerne wie Siemens, Daimler etc. waren auch alles Startup Leute.

Das waren Startups ihrer Zeit. Was würde Springer heute machen? Häufig aber wird 100-150 Jahre später dieses Unternehmer-Gen, diese DNA irgendwie verschüttet. Nicht alle Konzerne müssen jetzt hippe Startups werden, aber einfach eine neue Perspektive einnehmen.

Peter: Gegenseitig voneinander lernen!

Felix: Das ist es. Eben nicht den Vorstand ins Valley zu schicken,  zwei Startups einzukaufen und die Krawatten abzulegen. Nein, es geht um Kulturwandel dazu und da ist „Das Ende der dummen Arbeit*“ wichtig.

 

Unternehmerischer Projekte müssen von oben gewollt sein

Peter: Lass uns jetzt noch einmal konkreter auf die Personen eingehen und Hierarchien, die vielleicht intern für ein Startup wichtig sind. Müssen solche unternehmerischen Projekte immer im Topmanagement angesiedelt sein oder geht es auch auf anderen Hierarchiestufen, unternehmerische Projekte anzustoßen.

Felix: Es muss von oben gewollt sein. Wenn es von oben nicht komplett durchdrungen, komplett gewollt, komplett unterstützt ist, funktioniert das Ganze nicht.

Ich erzähle dazu eine Anekdote. Ich war vor ein paar Tagen bei einem Vortrag, einem Kick Off einer Digitalen Einheit in einem großen, bekannten deutschen Unternehmen. Die Mitarbeiter sollen digitale Multiplikatoren werden. Die machen viel von dem, über das wir hier gerade sprechen.  Es war eine tolle Energie in dem Raum, es wurden Fragen gestellt, die gepasst haben, es war eine tolle Atmosphäre und am Ende kommt eine Top-Führungskraft und sagt: Ja, ich weiß gar nicht so genau, sind wir denn schon soweit und ich weiß nicht, ob wir da schon anknüpfen könne.

Das war natürlich eine Katastrophe. Wenn er wirklich einen berechtigen Punkt hat, das habe ich ihn dann auch gefragt. „Wo haben Sie denn noch ihre Zweifel, wie sehen sie sich denn als Unternehmen? Ich habe das Gefühl, sie sind auf einem hervorragenden Weg gerade“.

Er konnte das nicht sehen, er konnte das auch nicht wirklich benennen. Ich habe dann einfach noch einmal die Key Learnings aus dem Vortrag noch einmal zusammengefasst. Aber natürlich hat das dann einen deutliches Signal an die Mannschaft gegeben, da sind 300 Menschen, die richtig Lust darauf haben, die Multiplikatoren werden, die für eine neue Unternehmenskultur stehen und dann sagt der Chef, „hmm, ich weiß´nicht so genau“. Das ist ein Problem. Es muss von oben gewollt sein.

Peter: Wenn es von oben gewollt ist, wäre es denkbar, dass das Top-Management Personal die Führung von dem Projekt haben?

 

Plötzlich sind „unten“ Möglichkeiten

Felix: Überhaupt nicht, das ist ja der Witz am Ende der dummen Arbeit, dass plötzlich unten Möglichkeiten sind. Das bedeutet, man muss nicht erst 5 oder 10 Jahre sich seine Sterne auf der Schulter verdient haben, um Vice President von X zu sein, sondern in smarten Unternehmen ist es möglich, die Innovationen von unten voranzutreiben.

 

Wie finde ich sollte Leute in einem Unternehmen?

Peter: Aber dann stellt sich doch die Frage, wie finde ich denn solche Persönlichkeiten in einem Unternehmen.  Ich stelle mir das sehr schwierig vor, herauszufinden, wer für so ein Projekt geeignet ist.

In vielen historisch hierarchischen Unternehmen ist ja nicht unbedingt der, der am kritischsten hinterfragt oder Dinge anders sieht, die geeignete Person für eine schnelle Karriere, sondern eher der, der sich am besten in das System einfügt. Anders herum gedacht, ist aber vielleicht nicht diese Person die geeignete Person für einen Unternehmer, der vielleicht so ein Projekt vorantreiben sollte. Wir haben dort auch eventuell unangenehme Persönlichkeiten für ein klassisches Management und andere Herausforderungen und Fähigkeiten, die auch durchaus positiv sind, aber die müssen ja erst einmal gefunden werden. Wenn man die intern sucht und nicht nur extern bekunden möchte, dann stelle ich mir das ziemlich schwierig vor. Was ist hier Deine Erfahrung?

 

Innovation und Querdenken braucht Raum und klare Sichtbarkeit seitens der Führungsebene

Felix: Das ist ein berechtigter Einwand und eine sehr gute Frage. Wie bekomme ich die richtigen Leute, wenn mir das als Unternehmenslenker wichtig ist? Das werde ich auch oft nach Vorträgen gefragt. „Mal unter uns gesagt, ich weiß garnicht, ob meine Leute das können“.

Da muss aber auch klar fragen, wen habt Ihr denn da eingestellt? Wenn ich die letzten 10 Jahre immer nur Prozessoptimierung betreibe, um minimal mehr Marge herauszuholen, dann ist da kein Raum für Innovation, für Querdenker, dann ist da kein Raum für Freigeister, die in so einer klassischen, hierarchischen Struktur einfach unangenehm sind, die haben auch irgendwann selbst keinen Bock mehr. Das sind ja auch die, die irgendwann ein eigenes Business aufziehen, weil sie sagen, ich brauche einmal etwas ganz Anderes.

Das heisst, man darf sich auch nicht wundern, wenn man sich über Jahre solche Leute herangezogen hat. An erster Stelle. ich muss das als Führungskraft, als Unternehmenslenker, erstens wollen und dann auch nach außen hin sichtbar machen.

Wenn ich mir einmal zwei Versicherungsunternehmen vorstelle, die komplett identisch sind, große, graue Blöcke, beide solide, beide zahlen gutes Geld. Sie sind identisch usw. In dem ersten Unternehmen fragt man im Vorstellungsgespräch: Ich finde das cool, Du hast nebenbei etwas Unternehmerisches gemacht? Beeindruckend. Wie war das? Was hast Du gemacht? Was hast Du gelernt? Bist Du auch gescheitert? Bei dem zweiten Unternehmen ist das kein angesprochenes Thema. Du sagst, ich bin Sidepreneur, habe mir etwas aufgebaut und sie schauen Dich schräg an. In welches Unternehmen gehst Du? Die Antwort liegt auf der Hand.

Zwei Jahre später. Welches Firma ist denn geworden. Welche Firma hat denn die offenere, agilere, „startup-artige“ DNA? Das ist eindeutig.

 

Das Buch „Das Ende der dummen Arbeit“ ist sowohl für die Führungsebene als auch für den Mitarbeiter

Im Auswahlprozess von neuen Mitarbeitern muss ich die Arbeit als Unternehmer machen. Ich muss die Leute zulassen.

Angenommen, ich habe eine Struktur mit 10.000 Mitarbeitern, wie finde ich die? Deswegen ist das Buch für beide Seiten. Es richtet sich an die Führungskräfte, aber es richtet sich auch an Dich und mich, zu sagen, „hey macht doch mal“. Auch wenn dein direkter Chef karriereorientiert denkt, klassisch agiert, vielleicht ist es der Bereichsleiter darüber, vielleicht sieht er das. Denk doch ein paar Stufen höher.

 

Man muss etwas vorweisen können

Es ist ganz wichtig, dass man etwas vorzuweisen hat. Es geht nicht so, dass man durch das Unternehmen läuft und sagt, oh, jetzt habe ich eine neue Idee, sondern auch dass man etwas zeigt.

Das zeigen auch die Beispiele im Buch „Das Ende der dummen Arbeit*“, die Leute, die erfolgreich waren, die haben sich nicht abschrecken lassen. Die haben ihren Chef vielleicht gefragt und der sagte: Ich kann mir das nicht so vorstellen, bist Du sicher? Sie haben es dann irgendwie trotzdem gemacht. Die sind keine Risiken eingegangen, aber weißt Du, aber die haben dann mal mit einem Key Accounter gesprochen und gesagt, hey, ich habe die Idee, was denkst denn Du? Er sagt, ok, komm doch einfach mal mit, das können wir bei einem Kaffee besprechen.

 

Einfach mal machen

Das Beispiel, das ist hier auch ein Unternehmen aus München, dessen Case ich dann zeige. Er hat das gemacht, plötzlich gab es Referenzkunden. Das hat es seinem Chef dann viel leichter gemacht, zu sagen, wow, jetzt kann ich mir das vorstellen.  Jetzt gebe ich Dir ein kleines Budget und baue den Prototypen. Jetzt möchte ich sehen, ob das auch wirklich funktioniert. Er möchte ja auch einen Erfolg aufweisen, er möchte sich absichern. Wenn Du als Teamleiter oder als Abteilungsleiter diesen Weg gehst und jemand braucht etwas  und das funktioniert. Du zahlst auf Deine Karriere ein.

 

Wir brauchen eine Revolution

Es muss wieder ein bisschen Revolution her. Wir brauchen etwas Neues. Es muss von unten und von oben funktionieren. Die, die oben wollen und die, die unten Lust haben, intern etwas zu machen. Es ist auch nicht morgen getan. Wir werden das Unternehmen nicht digital von heute auf morgen transformieren. Man muss diesen Weg aber anfangen um den Kulturwandel anzustoßen.

 

Anreize für Intrapreneurship

Peter: Wir hatten darüber gesprochen, dass es bspw. wichtig ist. auch von Unternehmensseite zu sagen, ok, ich erkenne Dich als Macher an und ich gebe Dir die nötige Rückendeckung. Sicherlich gibt es auch viele weitere Anreize, solche Menschen, die dafür geeignet sind, so etwas zu tun an das Unternehmen zu binden, mit so einem Intrapreneurship. Welche Anreize würdest Du einem Unternehmen mit an die Hand geben wollen, dass sie so etwas umsetzen können, dass sie die Leute dafür begeistern können, dass sie ein Intrapreneurship durchzuziehen.

 

Intrapreneure brennen intrinsisch

Felix: Man kann niemanden überreden. Ich brauche die, die von sich aus kommen, die von sich aus Lust haben, die brennen, die das wollen. Das ist das Erste.

Das Zweite, was ich in allen Interviews, die ich mit Intrapreneuren geführt habe: die brennen alle intrinsisch. Die brennen, weil sie die Idee klasse finden, weil sie sagen, das liegt hier brach. Wir haben alles, was wir brauchen, wie haben die Ressourcen, wir haben das Geld, lass’ uns das mal ausprobieren.

Einen Schritt weiter gedacht. Ideen funktionieren. Was ich wiederum bei auch fast alle Interviews und Interviewpartnern gelernt habe, ist das Thema Geld.

Geld wird nicht angesprochen, weil sie darauf vertrauen, wenn das läuft, wird es sich schon irgendwie regeln. Die Beispiele sind von ganz kleinen, über mittleren bis zu ganz großen Unternehmen. Man denkt, dass funktioniert jetzt irgendwann und plötzlich gibt es Intrapreneure mit einer tollen Idee, die „fliegt“ und sie sind nicht beteiligt.

Das ist ein Punkt, den ich im Buch bespreche. Rede mit den Verantwortlichen darüber, wie das aufgehängt ist, dass Du wirklich auch Shares daran hast. Ist es eine externe GmbH irgendwann? Wie ist das Setup?

 

Manchmal ist keine Beteiligung dennoch ein Gewinn

Es gibt ein anderes Beispiel, wo die Unternehmensführung gesagt hat, nein, ihr seid nicht beteiligt.  Das war dann für denjenigen, der das gemacht hat, nach außen hin auch erst einmal ein Statusverlust. Vorher hatte er 800 Mitarbeitern. Er hat so für die Idee gebrannt, er hat so daran geglaubt, jetzt hat er ein Team von 15 Mitarbeitern. Er ist nicht daran beteiligt. Er sagt, das ist ok, weil ich so viel Rückendeckung habe, ich habe so viele Ressourcen, ich habe so viel Kundenkontakt. Das würde ich allein gar nicht schaffen, mir das alleine aufzubauen. Ich müsste so viel Energie aufbringen, auf der Suche nach einem Angel, auf der Suche nach einem VC usw., ich akzeptiere das.

 

Trade Off und Sichtbarkeit

Wir sitzen heute hier im Werk 1 in München, es gibt hier ein internes Startup, die hier im Gebäude sind. Das ist von der MunichRe, den Rückversicherern. Ich habe mit Tom van den Brugge, dem Head of Innovation lange gesprochen und er hat z. B. im Interview gesagt, dass es ein Trade off ist.

Klar, Du kannst als externer Gründer richtig reich werden, Du kannst aber auch scheitern und dann hast Du nichts, außer viel gelernt. Wenn Du das intern machst, verdienst Du vielleicht nur ein bisschen, aber wenn es nicht funktioniert, hast Du auch eine Sichtbarkeit bekommen, die auf Deine Karriere eingezahlt hat. Das war erst einmal nur ein Behauptung, aber ich habe ganz viel andere Cases in Interviews gehabt, wo sich das bewahrheitet hat. Es gab Leute, die Ideen hatten, die nur so ok waren, die aber plötzlich einfach eine Sichtbarkeit in ihrem Unternehmen bekommen haben uns so wirklich massiv ihre Karriere angefeuert haben.

 

Die Beteiligung für die Extrameile muss angesprochen werden.

Peter: Ich selbst arbeite  in einem Corporate Startup, deswegen kenne ich auch viele Probleme und viele Möglichkeiten, weiß auch vieles zu schätzen und weiß auch, was nicht so optimal läuft. Ich frage mich langfristig, wenn man von einem klassischen VC Case ausgeht, ist es so, dass viele VCs darauf erpicht sind, dass die Gründer einen gewissen Anteil am Unternehmen behalten, um auch nach der Abgabe von Shares incentiviert zu sein, auch wenn sie für das Thema brennen. Für den langfristigen Erfolg müssen sie auch an dem Erfolg partizipieren können. Was ich mir schwierig vorstelle, ist, wenn man sagt: Ok es passt zwar alles, Du hast einen sicheren Job, aber Du gehst schon die Extrameile, die viele andere dann nicht machen. Irgendwo sollte da dann doch auch eine Beteiligung drin sein. In irgendeiner Form.

Das würde mich interessieren, war das in den Gesprächen, die Du herausgehört hast, überhaupt ein Thema oder war das eher nachrangig?

 

Incentive muss sein

Felix: Durch die Bank weg: Alle Intrapreneure haben sich so ein bisschen darauf verlassen, dass das schon wird. Manche haben am Ende gemerkt, oh, ich habe jetzt hier 40 Mio. Budget aufgebaut und ich bin nicht daran beteiligt und das ergibt sich auch nicht. Dann hast Du ein Problem. Deswegen ist das auch ein Buch aufgebaut, immer mit der Ansprache des Chefs, der Führungskräfte, der Unternehmenslenker, genau wie Du sagt. Die VCs wissen das ganz genau, wenn Du nicht mehr beteiligt bist, sondern irgendwie nur noch so ein Fixgehalt bekommst, dann arbeitest Du auch so. Es muss nicht immer gleich eine externe Einheit wie eine GmbH mit echten Shares sein, es können auch virtuelle Shares sein. Es gibt ganz viele Möglichkeiten, jemanden zu incentivieren und das muss gemacht werden.

 

Chancen und Risiken des Intrapreneurs sind ein spannendes Thema

Peter: Du siehst, ich brenne auch für das Thema und ich finde es sehr spannend, was Du auch mit dem Buch auf die Beine gestellt hast. Das Du als Vordenker voran gehst und das Thema in die Öffentlichkeit bringst. Es ist keinesfalls so, dass ich das Thema kritisch sehe, es begeistert sogar selbst in meinem Angestelltenverhältnis. Ich finde es immer interessant, die verschiedenen Aspekte abzufragen. Das Thema des 4 Stunden Startups oder auch wir mit Sidepreneur haben es noch sehr schwer gehabt.

Es war schwierig, sich vorzustellen, warum jemand, nachdem er von der Arbeit kommt, sich hinsetzt und noch einmal arbeiten möchte und nicht muss. So finde ich das auch wieder ein Thema, dass man erst einmal verstehen muss.

Was sind die verschiedenen Aspekte, die da mitschwingen und worauf lasse ich mich da ein oder worauf lasse ich mich nicht ein. Was für Chancen und was für Risiken habe ich?

 

Ich finde das Thema so spannend, dass ich gerne mit Euch, liebe Zuhörer in den Austausch gehen möchte.

Ich kann mir vorstellen, dass wir zu dieser Folge einige Fragen bekommen. Stellt sie uns gerne an info@sidepreneur.de oder kommt in die Facebook Community und stellt uns da die Frage, die ihr an Felix habt.

Wir machen gerne eine Q&A Session, in welcher Form müssen wir uns noch überlegen, machen wir es als Podcast, machen wir es vielleicht als Facebook live? Wir denken noch einmal darüber nach. Aber wenn Ihr sagt, das Thema reizt Euch total und ihr habt offene Fragen, stellt sie uns wirklich alle und wir versuchen dass dann in eine spannende Q&A Folge / Video zu packen und auf die Fragen einzugehen.

Das Buch „Das Ende der dummen Arbeit*“ erscheint am 21. September, ist in alle Buchhandlungen online oder offline, überall erhältlich!

Kommentiert gerne und gebt uns ein Feedback!

Dankeschön, Felix, und viel Erfolg mit Deinem Buch!

Über den Autor

Peter-Georg Lutsch

Peter-Georg Lutsch

Peter-Georg Lutsch ist bereits seit 7 Jahren leidenschaftlicher Sidepreneur. Für ihn ist sein Side-Business nicht nur ein zweites berufliches Standbein, sondern darüber hinaus eine Möglichkeit sich außerhalb seines Angestelltenverhältnisses selbst zu verwirklichen. Hauptberuflich ist er als Senior Online Marketing Manager für eine der größten Online-Jobbörsen Deutschlands tätig. Nebenberuflich berät er KMUs im Bereich Digital Marketing https://www.peter-lutsch.com und ist Co-Founder des Online-Magazins https://www.digital-media-manager.com.

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